Willkommen. In der Zeit, in der wir leben.

Es gibt hier in Deutschland tolle Menschen. Und zwar ganz schön viele. Man merkt es nicht immer gleich, wenn einem ein Pegida-Aufmarsch über den Weg läuft oder der Nachbar mit seinen Stammtischparolen unbelehrbar gegen alle Menschen aus dem Ausland wettert. Man merkt es auch nicht immer in unserer Politiklandschaft, wo allzu häufig Dinge gesagt aber nicht getan werden oder Entscheidungen gegen jede Vernunft getroffen werden. Man merkt es bedauerlicherweise auch nicht immer in all unseren Medien, die sich nur allzu gern auf jene Nachrichten stürzen, die die beste Quote, den höchsten Gewinn versprechen.

Ich möchte mich nicht gegen kritische Nachrichtenerstattung stellen, auch nicht gegen kritische Stimmen in Politik oder unter meinen Mitbürgern. Kritik und Zweifel müssen möglich und erlaubt bleiben, zumal manches davon berechtigt ist und unsere Beachtung finden sollte, damit wir entsprechend handeln können, um Schaden von uns und anderen abzuwenden.

Gefragt sind Sensibilität und Wahrheit. Ruhe und überlegtes Handeln. Richtiges Erkennen und Einschätzen von Gefahr und Nicht-Gefahr. Gegenseitiges Zuhören, immer wieder, auch wenn uns Gesagtes nicht gefällt. Menschlichkeit und Miteinander.
All das ist in solch bewegten und bewegenden Zeiten wie diesen, die wir jetzt gerade alle erleben, nicht einfach, keine Frage. Aber möglich.
Gegenseitiges Zerfleischen ist für keine Seite hilfreich, Schwarz-Weiß-Denken auch nicht.

Wovon ich hier schreibe, ist Ihnen sicherlich schon klar: Es geht um die Menschen, die zu uns nach Deutschland aus Ländern kommen, in denen Krieg herrscht oder eine Form von Armut, die sich hier in unserem Land die meisten Leute nur schwer vorstellen können. Wir nennen diese Menschen Flüchtlinge. Weil sie von Orten flüchten (müssen), an denen das Leben nicht mehr lebenswert für sie ist.
Diese Menschen kommen zu uns, weil sie daran glauben und darauf hoffen, dass sie hier Hilfe bekommen. Sie geben ihr Leben in unsere Hände.

Sie wollen gar nichts Unerreichbares, es geht ihnen um Ruhe, Sicherheit, Wohnen, Arbeiten, Essen. All das, was die große Mehrheit von uns hier in Deutschland schon hat.
Und ebenfalls können eine ganze Menge von uns sogar etwas Geld erübrigen oder etwas Kleidung und andere Dinge abgeben oder ein bisschen Freizeit opfern und helfende Hände anbieten.
Dies wird von ganz vielen tollen Menschen jetzt schon längst getan. Wir sind es selbst und/oder haben sie in unserer Nachbarschaft, sehen sie an Bahnhöfen oder manchmal im TV oder lesen von Ihnen beispielsweise in den sozialen Medien und in Blogs.

Dort können wir auch lesen, was HelferInnen alles erleben mit den Menschen, die traumatisiert, verletzt und trauernd zu uns kommen. Es wird uns erzählt, was diese fremden Menschen, die wir (noch) nicht kennen, erleben mussten, wie sie überlebten und es zu uns geschafft haben und wie sie jetzt hier leben und in Zukunft leben möchten.

Es sind Geschichten, die uns helfen, zu verstehen.
Geschichten, die uns an die Hand nehmen und beim Lesen einer Welt näherbringen, die uns in unserem sonstigen Alltag, in dem wir uns um unsere Jobs und Familien kümmern müssen, womöglich noch wenig begegnet.
Wir brauchen diese Erzählungen und Berichte von HelferInnen und ZeitzeugInnen auch als Gegengewicht zu all den schlechten Nachrichten und irrationalen Hassreden, damit wir uns ein Bild machen können.
Ein ausgewogenes Bild, das uns hilft, gute Entscheidungen zu treffen. Fehler zu erkennen, unsere und die anderer.

Wir sollten uns mit all dem befassen, weil es uns alle betrifft und langfristig betreffen wird. Jetzt, hier, in diesem Jahr und in den kommenden Jahren, in diesem Leben, in unserem Land und in der ganzen Welt. Wegsehen ist keine Option mehr.

Ich möchte Ihnen dazu gern ein ganz besonderes Buch empfehlen.

Ein Team engagierter Menschen hat sich unentgeltlich die Mühe gemacht, aus vielen Artikeln und Blogs eine vielfältige Sammlung von Texten zusammenzustellen, in denen mehr als fünfzig AutorInnen uns ihre Geschichten, ihre Erlebnisse, ihre Gedanken erzählen.
Entstanden ist das großartige E-Book Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge, ein Stück Geschichte der Gegenwart, in der wir leben.
Die Erlöse werden samt und sonders an die Organisation #bloggerfuerfluechtlinge gespendet, alle Autoren haben ihre Texte kostenlos zur Verfügung gestellt und ich bin froh darüber, auch mit einem kleinen Textbeitrag dabei sein zu dürfen.
Sie bekommen für kleines Geld eine Menge guten Lesestoff.

Und Sie helfen. Mit Ihrem Geld und mit Ihrem Interesse an dem, was um Sie herum passiert.
Denn Interesse für Mitmenschen kann ein Anfang für etwas Gutes sein, und Gutes brauchen wir in unserer Welt mehr denn je.

Ich wünsche Ihnen eine friedliche Vorweihnachtszeit und Festtage ohne Ängste und Nöte. Ich wünschen Ihnen, dass sie gesund bleiben oder werden, damit wir alle gemeinsam bald in ein neues Jahr gehen können.
Ich wünschen uns allen, dass wir es hinbekommen, all dem weltweit entstehenden Chaos zum Trotz zusammenzuhalten und einander zu respektieren.

Ich wünsche uns allen ein Wir.

 

Cover - Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge
ISBN 978-3-944543-28-4
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Willkommen. In der Zeit, in der wir leben.

2 Gedanken zu “Willkommen. In der Zeit, in der wir leben.

  1. Ich liebe dieses Projekt und die Geschichten, die es versammelt. Habe eben in der U-Bahn die von dir und deiner Oma gelesen. Hat mich sehr berührt und lächeln lassen. Ich denke, deine Erzählung ist eine gute Möglichkeit, den „besorgten Bürgern“ ganz subtil zu zeigen, dass es Ihnen jederzeit genauso gehen kann wie den tausenden Geflüchteten, die gerade in unser Land kommen.

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