Körperwelten.

Meg

Ich wünschte, mir wäre so eine Szene aus der Dove-Werbung passiert, in der ich mich selbst male und dann von jemand anderem gemalt oder beschrieben werde. Und das Bild, was von mir gemalt oder beschrieben wird, stimmt mit dem Bild überein, das ich malte oder beschrieb.

Das würde bedeuten, dass ich mit mir im Reinen bin.

Manchmal überlege ich, ob ich eine Umfrage im Freundes- und Bekanntenkreis mache und die Leute bitte, 3 Attribute aufzuzählen, die ihnen zu meiner Person einfallen. Sie können den Charakter oder das Aussehen beschreiben.
Doch das lasse ich, denn ich kenne das Ergebnis, schließlich habe ich das Drehbuch geschrieben und halte mich daran.

So leicht es mir fällt, Perfektionen an anderen Menschen auszumachen, zu beschreiben und mich daran zu entzücken, so sehr feinde ich meinen eigenen Körper an und frage mich, ob es erst ein bestimmtes Alter oder ein schwerwiegendes Erlebnis braucht, um ihn lieben…

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Körperwelten.

Man tötet meine Nachbarn. Ich will das nicht.

In den 90er Jahren, ich war so Mitte zwanzig, bereiste ich Frankreich. In einem kleinen Ort am Rande der schönen Carmargue war ich an einem sonnigen Vormittag unterwegs und suchte eine Straße. Ich hatte eine Wegbeschreibung aber keinen Stadtplan, und so musste ich mich durchfragen. Ich tat dies mit meinem Schulfranzösisch, mit dem ich, gespickt mit vielen „Äh-s“, einen alten Mann vor einem kleinen Café ansprach, der dort mit einer Zigarette saß und in der Zeitung blätterte. Er hörte mir geduldig zu, wie ich ihm den Straßennamen nannte, sah mich an und schmunzelte. Dann wies er mit seiner Hand die Straße hinauf und erklärte mir, ich solle die nächste Straße rechts nehmen und dem Verlauf folgen, dann würde ich zu meinem Ziel kommen.
Ich bedankte mich und ging den beschriebenen Weg. Es dauerte wohl etwa zehn Minuten, dann stand ich wieder in der Straße mit dem Café, vor dem immer noch der alte Mann saß. Die Gasse, die er mir als Weg zu meiner gesuchten Straße beschrieben hatte, war U-förmig um den Standort des Cafés herum verlaufen.
Ich ging wieder zu dem alten Mann, er sah auf und sagte: „Et voilà.“ Dabei deutete er auf ein Haus gegenüber, an dem ein Schild mit dem Namen der Straße prangte, die ich gesucht hatte. Ich hatte es nicht gesehen und er hatte mich sozusagen einmal um den Pudding geschickt und hatte großen Spaß daran, wie mir sein Lachen verriet.
Ich glaube, er sagte dann „Viens ici, allemand“, während er auf den Stuhl neben sich deutete. Er gab mir einen Café au lait aus und wir unterhielten uns, bevor ich mich wieder von ihm verabschiedete.

Er hieß Bernard, war wohl so um die siebzig Jahre alt und gestern ist mir die Begegnung mit ihm wieder eingefallen. Als ich die Nachrichten aus Paris hörte, sah und las.

Ich habe bei meinen Aufenthalten in Frankreich sehr viele schöne Erlebnisse gehabt und viele tolle Menschen kennengelernt. Die meisten waren sehr hilfsbereit und gastfreundlich. Frankreich ist ein wunderschönes Land, ich habe mich dort immer wohlgefühlt.

Die Franzosen, die ich kenne, leben nicht in Paris. Aber betroffen sind sie trotzdem. Und ich fühle mich ebenfalls betroffen, weil man direkt nebenan bei guten Nachbarn getötet hat. Das macht mich fassungslos, traurig und auch wütend auf die Täter. Ich bin froh, dass Politiker vieler Länder ihre Solidarität mit Frankreich bekunden, die Menschen dort unterstützen wollen. Ich hoffe, dass das auch langfristig funktioniert, dass alle besonnen bleiben und die Ruhe bewahren, die in einer solchen Situation vonnöten ist.

Wir werden in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren erleben, ob und wie diese Anschläge mit so vielen toten und verletzten Menschen Europa und die Welt beeinflussen werden.

Ich bin in Gedanken bei den Opfern dieser Anschläge, bei meinen Nachbarn.
Ich wünsche ihnen all die Kraft, die sie brauchen, um mit dem Unfassbaren umzugehen.

Und uns allen wünsche ich Freundschaft, Zusammenhalt und kluges, überlegtes Denken und Handeln.
Jetzt und in Zukunft.

Man tötet meine Nachbarn. Ich will das nicht.