Über Tod, Twitter und diese Gefühlssache

Nach meinem, nun, ich nenne es mal Comeback auf Twitter und den Reaktionen darauf habe ich jetzt dieses Bedürfnis. Das Bedürfnis, zu erklären. Eigentlich bin ich nicht der Meinung, dass irgendjemand sich auf Twitter erklären müsste. Auch nicht, wenn er geht. Oder ankündigt, zu gehen. Oder ankündigt, zu gehen und dann doch bleibt. Und so wollte auch ich mich nicht erklären. Warum auch, sind ja alles irgendwelche fremden Leute.
Und zack!, da ist er schon, der Fehler. Weil, und das haben hier schon viele versucht, zu beschreiben, diese Leute dann nach einer gewissen Zeit eben doch nicht mehr irgendwelche sind. Auch nicht mehr wirklich so fremd. Es ist ein Gefühl. Twitter ist irgendwie ein Gefühl, und jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht in diese „Twitter ist…“ – Schiene abgleite, die mir als Tweet so manches Mal durchaus auf den Zwirn geht.
Also jedenfalls Gefühl. Sucht? Das mag je nach Definition sogar sein. Die Sucht nach Anerkennung und dem Gehörtwerden, die jeder Mensch so mit sich herumträgt, wird durch Twitter jedenfalls bedient. Vielleicht aber auch nur die Sehnsucht nach Menschen, die einen ähnlichen Humor haben, ähnliche Gedanken, die einen zum Lachen bringen, ohne dass man ihnen etwas bieten muss, wie zum Beispiel Snacks und Bier oder gar ein Sterne-Menü. Ganz zu schweigen von dem Aufenthalt in Haus oder Wohnung. Putzgott bewahre.
Aber ich schwafle vom Thema ab. Worum ging’s? Um mich. Klar.

Ich ging von einem Tag auf den anderen wegen eines Todesfalls. Wegen der Plötzlichkeit dessen und wegen meiner Gefühle. Und weil auf einmal die schöne, leichte und unterhaltsame Sinnlosigkeit Twitters für mich nur noch eine Sinnlosigkeit ohne Adjektive war.
Es kam mir nicht adäquat vor, einfach so weiterzutwittern, als wäre nichts gewesen. Und twittern über den Todesfall kam für mich auch nicht in Frage. Manche machen das und es ist okay, jeder wie er mag und kann.
Aber ich mochte nicht. Ich mochte mich nicht mal bei jenen Herztwitterern erklären, mit denen ich DMs tauschte, weil auch sie mir auf einmal wieder fremd und fern erschienen. Ich musste das eben mit mir ausmachen – und mit meiner Frau, der Familie und Freunden natürlich.

Der Abstand zu diesem Twitterding war gut, und gleich ganz zu gehen, das war auch gut. Einfach den Account so dort zu lassen, hätte vielleicht auch Nachfragen bedeutet, die ich nicht hätte beantworten wollen. Es hätte auch bedeutet, den Menschen die mir ganz gerne folgten, zu vermitteln, ich würde vielleicht wiederkommen. Und das wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht. Ich wusste nicht, ob die Sinnlosigkeit wieder diese schönen Adjektive bekommen würde.

Und dann schlich sich langsam die Sehnsucht an. Dann habe ich doch hin und wieder mal bei Twitter herumgelesen. Da gibt man einen Account bei Google ein, hat so die Twitteranmeldung umgangen und kann von dort aus alle andere Accounts lesen. Aber das wussten Sie längst. Ich Dummerle.
So jedenfalls hab ich einige Accounts dann immer öfter gelesen. Das Lieblingsgrübchen, den Gedankenbalsam und seinen Comicaccount, die Wertverstellung, die Akkordeonistin, Madame Himmelblau, Wiemenbluse und ach, all die anderen, ich kann sie hier gar nicht alle aufzählen. Denn aus kleinen, stichprobenartigen Besuchen wurden immer mehr und längere Phasen des Nachlesens und Stöberns. Und es wurde wieder spaßig.
Und da hatte die Sinnlosigkeit wieder ein Adjektiv.

Nun, letztlich wissen wir ja, wie die Sache ausging. Und weil sie ausging, wie sie ausging, schreibe ich das jetzt hier alles. Weil es so toll war, zurückzukommen. Ich hatte nämlich nicht erwartet, von doch recht vielen Twitterern und Twitterinnen einfach so ganz selbstverständlich wieder aufgenommen zu werden, dass sie mir wieder folgten. Sogar, wenn sie mich zuerst wiedergefunden hatten, bevor ich sie wiederfand, wozu ich erschreckenderweise bis heute brauche. Ich hatte keine Liste oder etwas Ähnliches gemacht und hatte somit nicht mehr alle der über 200 Namen im Kopf, denen ich vor meiner Löschung folgte. Von den Namensänderungen von einigen von Ihnen will ich gar nicht erst anfangen.
Und während ich diese Menschen nach meinem „Hier bin ich wieder“-Tweet auf Twitter zusammensuchte, kamen einige zu mir, ohne abzuwarten, ob ich ihnen folgen würde. Toll. Und einige freuten sich und schrieben mir das. Das war vielleicht schön, sage ich Ihnen. So ein warmes Willkommen, das tat sehr gut. Tja. So war das eben.

Ich finde, das sollten Sie wissen.
Weil es ein Gefühl ist. Ein richtig gutes.
Und ich hoffe, es bleibt noch eine lange Weile so. Auch bei Ihnen.

Kleinerdreiganzgroß.

Über Tod, Twitter und diese Gefühlssache